Geschichte des Eispickels


Vom Huf-und Wagenschmied zum Pickelschmied

Um 1870 eröffnete Karl Bhend (Urgrossvater) in Grindelwald eine Huf- und Wagenschmiede. Durch den immer stärker aufkommenden Alpinismus (Goldenes Zeitalter des Bergsteigens 1854-1865; Gründung des Schweizer Altenclubs 1863) stieg auch die Nachfrage nach geeigneten Eispickeln. So begann Karl Bhend Pickel für Alpinisten zu schmieden.


Vier Pickelschmiede im Tal der Scharzen Lütschine

Um die Jahrhundertwende des 19./20. Jahrhunderts stellten neben Karl Bhend auch Schenk (Grindelwald), Jörg (Zweilütschinen) und Häsler (Lütschental) Eispickel her. Die Produktion von Eispickeln war ein willkommener Nebenerwerb für die Huf- und Wagenschmiede dieser Zeit.


Bhend-Steigeisen

Ende der Dreissigerjahre entwickelte Alfred Bhend (Vater) ein Leichtsteigeisen. Zu Beginn der Siebzigerjahre wurde die Herstellung eingestellt. Die industrielle Produktion von Steigeisen aller Art rechtfertigte die aufwendige Einzelherstellung nicht mehr.


Die grosse Zeit der Bhend-Pickel

Von den Eispickelherstellern im Tal der Schwarzen Lütschine war um 1940 nur noch Alfred Bhend übrig geblieben. Während des Zweiten Weltkrieges schmiedete er Gletscherpickel für die Schweizer Armee.


Mit der Ausrüstung der englischen Himalaya-Expedition 1953 (Hillary und Tensing) und der schweizerischen 1956 (u.a. mit Dölf Reist) begann die "grosse Zeit" des Bhend Pickels. Alpinisten aus dem In- und Ausland bestellten sich ihren Bhend-Pickel. Bis in die Siebzigerjahre machte die Eispickel-Herstellung den Haupanteil der Arbeit von Alfred Bhend aus.


Vom führenden Bergsteigerartikel zum Liebhaberobjekt

Bhend-Pickel waren vor allem auch deshalb sehr begehrt, weil sie sich ausserordentlich gut zum Hacken von Stufen eigneten. Mit dem Aufkommen von immer besseren Steigeisen verloren die "Hack-Pickel" immer mehr an Bedeutung. Als Ergänzung zu den Steigeisen wurden "Anker-Pickel" bevorzugt. Dazu kam, dass Pickel mit Holzschaft die strengen Sicherheitsanforderungen für Pickel, die auch zum Sichern verwendet werden, nicht mehr erfüllten.

Heute ist der Bhend-Pickel zu einem Liebhaberobjekt geworden. Allein seine ästhetische Form begeistert nach wie vor zahlreiche Bergsteiger und Gletscherwanderer. Auch viele Bergführer benützen auf ihren Hoch- und Gletschertouren gerne den handlichen Pickel. Für Ruedi Bhend (4. Generation) ist die Herstellung von Eispickeln wieder zu jener Nebenbeschäftigung geworden, die sie für seinen Urgrossvater vor 130 Jahren war.

Text: Marco Bomio